Endlich greifen die Behörden ein: Laut Handelsblatt beschlagnahmten Steuerfahnder kurz vor Weihnachten 2017 Waren im Amazon Zentrallager in Deutschland und ließen Accounts sperren. Und zwar von etwa hundert chinesischen Händlern, die teilweise über einen Lagerbestand im Wert von mehreren Millionen verfügen. Der Verdacht: Hinterziehung der Umsatzsteuer.

 

Das Problem der Steuerhinterziehung auf Onlineplattformen wie Amazon besteht schon seit Jahren, doch Handlungsbedarf sahen die Finanzbehörden erst vor wenigen Monaten. Allein auf Amazon tummeln sich weit über 10.000 chinesische Händler, steuerlich registriert sind im Finanzamt Neukölln aber nur 432. Herr Mark Steier, Datenanalyst und ehemaliger Amazon-Händler, schätzt, dass 99 Prozent der chinesischen Händler für ihre verkaufte Ware keine Umsatzsteuer bezahlen. (Quelle: Handelsblatt, 03.01.2018)

 

Steuerhinterziehung auf Online-Portalen wie Amazon: Dem Staat gehen jährlich eine Milliarde Euro durch die Lappen!

 

Amazon Beihilfe zur Steuerhinterziehung

 

Der Schaden ist nicht gerade unerheblich. Laut dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, wird er auf etwa eine Milliarde Euro im Jahr geschätzt. Der Riesenkonzern Amazon könnte dabei einen großen Teil ausmachen. (Quelle: Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung, 04.01.2018)

 

Amazon macht es Steuerbetrügern besonders einfach

Wer über Amazon Waren verkauft, der kann von dem Rundum-Service des Konzerns Gebrauch machen: Amazon lagert die Waren der Verkäufer ein, liefert sie aus, beantwortet Kundenfragen, kümmert sich um den Bankeinzug und überweist das Geld einschließlich der Umsatzsteuer an den Händler. Nur die Abführung der Umsatzsteuer ist Angelegenheit der Amazon Verkäufer selbst. (Quelle: Handelsblatt, 03.01.2018)

 

Chinesische Händler haben bei Amazon leichtes Spiel

Hinzu kommt, dass die steuerlich nicht registrierten Verkäufer hinter dem Namen "Amazon" geschützt werden. Den Finanzbehörden fehlen dadurch jegliche Daten, um die Steuersünder ausfindig zu machen. Deshalb seien die Behörden auf Amazon angewiesen. (Quelle: Handelsblatt, 03.01.2018)

Doch das ist nicht alles: Händler außerhalb der EU können oft nicht haftbar gemacht werden, so die Süddeutsche. Das bedeutet, viele der chinesischen Händler kommen ungestraft davon.

 

Inwiefern profitiert Amazon vom Steuerbetrug der Händler?

Amazon leitet die komplette Umsatzsteuer an den Händler weiter. Wie also könnte Amazon daraus Profit schlagen, dass chinesische Händler Steuerbetrug begehen?

 

Fakt ist, dass Händler für jedes verkaufte Produkt Provision an das jeweilige Onlineportal zahlen müssen. Folgendes hypothetisches Szenario könnte also auftreten: Wenn chinesische Händler, die einen großen Teil der Amazon Verkäufer ausmachen, keine Umsatzsteuer zahlen, dann können sie einerseits mehr Provision abgeben und andererseits die Preise in die Tiefe treiben.

 

Angenommen die chinesischen Händler kombinieren diese beiden Vorgehensweisen, dann würden sie durch die niedrigen Preise Kunden gewinnen und mehr Produkte verkaufen, was wiederum Amazon eine extrem hohe Provision einbringen würde.

 

Welche Folgen entstehen für den deutschen Markt durch Steuerbetrug auf Amazon?

Laut t3n erhöhte Amazon 2013 die Provisions-Gebühr um bis zu 70 Prozent. Deutsche Händler müssen beispielsweise seitdem für Elektronikzubehör 10 Prozent statt den vorigen 7 Prozent entrichten. Schon damals protestierten die Online-Verkäufer heftig gegen die Auflagen. Denn in solchen Fällen bleibt den Händlern fast nichts anderes übrig, als die Produktpreise zu erhöhen, um selbst auch noch etwas zu verdienen. (Quelle: t3n, 08.04.2013)

 

Gleichzeitig fehlen dem Staat dadurch gewaltige Steuereinnahmen, die er aber nicht einfach so entbehren kann. Es fehlen Gelder an allen Ecken und Enden, nicht zu vergessen sind die Staatsschulden von etwa 2 Billionen Euro. Bis 2021 muss der Staat voraussichtlich über eine Billion für den Sozialen Bereich ausgeben. Fehlen die Steuereinnahmen, dann kann das nicht gestemmt werden und Rente, Gesundheits- sowie Bildungssystem und mehr würden stark darunter leiden. (Quelle: BdSt, Sozialbericht vom 26.07.2017)

 

Ein fairer Wettbewerb im E-Commerce ist auf diese Weise nicht mehr gewährleistet und seriöse deutsche Online-Händler gehen langsam zugrunde.

 

Was sagt Amazon zu den Steuerbetrugs-Vorwürfen?

Beihilfe zur Steuerhinterziehung. So lautet der Vorwurf, den man Amazon laut mancher Juristen allenfalls machen kann. Aber selbst das weist der US-Konzern zurück. Die Amazon Händler seien selbst verantwortlich für die ordnungsgemäße Abführung der Umsatzsteuer. Sie seien "als eigenständige Unternehmen selbst verpflichtet, ihre steuerrechtlichen Pflichten zu erfüllen" und Amazon sei nicht befugt, dies zu überprüfen. (Quelle: Süddeutsche, 04.01.2018)

 

Allerdings sei das Problem bei Amazon bekannt, da sich der Konzern bemüht, die Verkäufer umfassend über die Steuerpflicht zu informieren. Außerdem werden Werkzeuge zur Verfügung gestellt, die es einfach machen, die Steuerpflicht zu erfüllen. Laut Handelsblatt arbeitet Amazon nun mit den Finanzbehörden zusammen, um den Betrug der Steuersünder aufzudecken. Um die betroffenen Händler aus China zu finden, sind die Behörden auf Daten angewiesen, die nur Amazon zur Verfügung stellen kann. "Für den Fall, dass wir Informationen erhalten, dass ein Verkäufer seinen steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommt, haben wir Prozesse etabliert, um den Account zu überprüfen und das Verkäuferkonto zu schließen", so ein Sprecher des Versandkonzerns. (Quelle: Handelsblatt, 03.01.2018)

 

Der Steuerbetrug auf Amazon muss von vornherein verhindert werden

Wie es richtig geht, zeigt uns Großbritannien. Hier können chinesische Händler ihre Waren nur verkaufen, wenn sie eine britische Steuernummer besitzen. Falls ein Händler Steuern hinterziehen sollte, kann der Plattformbetreiber dafür haften und das zeigt Wirkung. Wer sich im Vereinigten Königreich nicht an die Regeln hält, wird unverzüglich von Amazon gesperrt.

 

Auch in Deutschland arbeitet man nun an einer Reform des Umsatzsteuergesetzes, die es ermöglichen soll, den Plattformbetreiber bei Steuerhinterziehung künftig in Haftung zu nehmen. Ebenfalls im Gespräch ist eine Art Quellensteuer. Mit dieser würden keine Bruttopreise mehr an die chinesischen Händler gehen, sondern nur noch die Nettobeträge. Für die Umsatzsteuer wäre dann der Betreiber des Onlineportals zuständig. (Quelle: Handelsblatt, 03.01.2018)

 

Um weitere Schlupflöcher zu schließen, soll in Zukunft außerdem die Steuerfreiheit bei einem Warenwert von unter 22 Euro entfalllen. Damit soll verhindert werden, dass Steuern durch falsche Angaben hinterzogen werden können.

 

Was kann ich als Käufer unternehmen, um Steuerbetrug auf Amazon zu verhindern?

Wer bei Amazon bestellt, sieht leider nicht auf den ersten Blick, von welchem Händler und aus welchem Land das Produkt geliefert wird. Doch mit nur einem Klick kann man sich Klarheit verschaffen. In der Produktbeschreibung befindet sich immer ein Link zu den Händlerinformationen. Dieser verschafft Einblick auf das Impressum des Verkäufers und hier ist ersichtlich, woher die Ware kommt und welche Steuernummer der Händler hat. Durch die Steuerregelung in Großbritannien verfügen einige der chinesischen Händler über eine britische Steuernummer, die sie auch für den Handel nach Deutschland benutzen. 

 

Damit der deutsche Staat jedoch mit seinen rechtmäßigen Steuereinnahmen versorgt wird, ist die Angabe der deutschen Steuernummer notwendig. Diese beginnt immer mit "DE" und nicht mit "GB".

 

Amazon Kunden sollten sich bewusst sein: Wer Ware bei einem Händler aus China kauft, der keine oder nur eine britische Steuernummer besitzt, der schädigt nicht nur alle deutschen Online-Händler, sondern auch unsere Wirtschaft, das Gesundheits- und Sozialsystem sowie den gesamten Staat. Und damit auch sich selbst!

 

Quellenverzeichnis:

  • http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/amazon-steuerbetrug-finanzamt-geht-gegen-chinesische-amazon-haendler-vor-1.3813881
  • http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuerfahndung-durchsuchungen-bei-amazon-1.3282238
  • http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-deutsche-steuerfahnder-gehen-gegen-asiatische-haendler-vor-a-1186155.html
  • http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/handel-konsumgueter/steuerbetrug-auf-onlineplattformen-zugriff-im-lager-von-amazon/20808258.html
  • https://t3n.de/news/amazon-gebuhren-handler-um-70-455654/
  • https://www.steuerzahler.de/Keine-teuren-Wahlgeschenke/85788c97596i1p428/index.html

 

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